Wohl jeder Schweizer und jede Schweizerin hatte schon mal Kugelgarn unter den Füssen. Allenfalls unwissentlich. Denn die Herstellerin Fabromont hielt sich über viele Jahre mit Kommunikation zurück. Dies ist heute anders, wie ein Besuch an ihrem Hauptsitz in Schmitten zeigt.
Fabromont war lange Zeit nicht gerade bekannt für eine überschwengliche Art. Vielmehr übte sich das Management in Zurückhaltung. Dies war den vielen Unternehmensgeheimnissen geschuldet, die in den Produktionshallen vorsichtig bewahrt und gepflegt werden. Es war deshalb eine bewusste Entscheidung von Firmengründer Günter Tesch, lange auf eine Website zu verzichten. Die Digitalisierung setzte bei Fabromont erst kurz vor Corona ein, mit dem Resultat, dass das Faxgerät mittlerweile auch hier an vergangene Zeiten erinnert, weil die Bestellungen per E-Mail eintrudeln.
Wie alles begann
Der deutsche Textilingenieur, Tüftler und Entwickler Günter Tesch kaufte Anfang der 1960er-Jahre das Gelände rund um den Bahnhof Schmitten im Kanton Freiburg. Darauf baute er das Unternehmen Fabromont. Rund 20 Jahre später wurde Kugelgarn entwickelt, wofür die Firma heute so bekannt ist. «Kugelgarn entstand aus der Idee heraus, Nadelfilz noch besser und strapazierfähiger zu machen», erklärt Nadine Hessler, Medienbeauftragte von Fabromont. Der neue Bodenbelag bedurfte einer eigenen Kategorie. Fabromont spricht deshalb nicht von Teppich, sondern von einem textilen Produkt.
Neue Kollektionen
Seit einigen Jahren gibt Fabromont auch nach aussen hin so richtig Gas. Nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit Künstlern sind mehrere Kollektionen entstanden, die in diversen frischen Mustern verlegt werden können. Eine Kollektion erhielt den German Design Award, eine andere den Red Dot. Da ist zum Beispiel «Volta», bestehend aus acht Farben mit jeweils drei Sättigungsstufen, die untereinander hervorragend kombinierbar sind. Fürs Produkt «Impression» hat der Illustrator Hugo Brülhart Bilder des Naturfotografen Michel Roggo in Farbkarten umgesetzt. Aus diesen wiederum entwarf Fabromont in einem dritten Schritt ein Muster, das in Kugelgarn umsetzbar ist. Der letzte Streich in der Historie nennt sich «Reval». Dieses Produkt ist aus dem recycelten Nylongarn Econyl gefertigt und trägt einen Rücken aus rückgewonnenem Polyester.
Die Basis
Ansonsten ist die Nutzschicht aus Polyamid typisch für Kugelgarn. Zuweilen wird das Material kombiniert mit Polypropylen, zuweilen mit Polyester. Als Mittelschicht im Sandwich-Aufbau fungiert Aluminiumhydroxyd. Es bildet quasi den eingebauten Feuerlöscher, würde es doch bei einem Brand Wasser freisetzen.
Kugelgarn kann Jahrzehnte überdauern. Das Material hält nicht nur der täglichen Belastung stand, sondern auch der Zeit. Das liegt nicht nur am Design, sondern auch an den guten Möglichkeiten zur Reparierung: Mit einem Messer lassen sich Schadstellen problemlos ausschneiden. Ein Gegenstück aus demselben Material füllt die entstandene Lücke. Die Fuge ist anschliessend nicht mehr sichtbar. Kein Wunder, dass sich das System für Doppelböden oder zum Verstecken von Bodensteckdosen ganz besonders gut eignet.
Individualisierung möglich
Dank einer entsprechenden Maschine in Schmitten sind auch «Puzzleteile» aus Kugelgarn produzierbar. Architekten können entsprechend vektorisierte Dateien sowie eine Visualisierung der Parkettierung an den Hersteller senden. Dieser besorgt dann den Rest. Musterbeispiele, die mit dieser Technik möglich sind, zeigte das Unternehmen Anfang Jahr an der Bau-Messe in München. Der Stand inspirierte und machte klar, dass mit Fabromont auch in Zukunft zu rechnen ist, wenn es um Bodenbeläge geht. Gerade in Büros, die heute mehr können müssen als noch vor wenigen Jahren, sollen textile Produkte wieder im Trend sein. Und auch Schulen schätzen die potentielle Farbigkeit, die von Kugelgarn ausgeht. Eine gewisse schallabsorbierende Wirkung ist da inklusive.
