HomeBlogAktuellOnlinehandel Schweiz 2025: Was der Möbelfachhandel wissen muss

Onlinehandel Schweiz 2025: Was der Möbelfachhandel wissen muss

Der Schweizer Onlinehandel wächst unaufhaltsam – und mit ihm die Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten. Die neueste Gesamtmarkterhebung des HANDELSVERBAND.swiss (in Zusammenarbeit mit NIQ/GfK und der Schweizerischen Post) sowie das Ranking der umsatzstärksten B2C-Onlineshops von Carpathia liefern klare Signale. Wer im Möbelfachhandel die Zeichen der Zeit versteht, kann handeln. Wer wartet, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

1. Der Gesamtmarkt: 15,8 Milliarden Franken – und kein Ende in Sicht

Der Schweizer Online-Konsum erreichte 2025 ein Volumen von 15,8 Milliarden Schweizer Franken – ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfallen 13 Milliarden auf inländische Anbieter, während 2,8 Milliarden Franken direkt bei ausländischen Händlern eingekauft wurden. Bemerkenswert: Das Wachstum der Auslandseinkäufe hat sich von +18 Prozent (2024) auf +8 Prozent abgeflacht.

Was bedeutet das für Sie als Möbelhändler? Die Nachfrage nach Online-Einkäufen nimmt weiter zu – aber die Schweizer Kundschaft kauft zunehmend wieder bei inländischen Anbietern. Das ist eine Chance.

2. Home & Living: 15 Prozent Marktanteil und +8 Prozent Wachstum

Die Kategorie Home & Living – zu der Möbel, Wohnaccessoires und Einrichtungsgegenstände zählen – hält einen Marktanteil von 15 Prozent am gesamten Schweizer Online-Markt. Damit liegt die Branche direkt hinter Heimelektronik (28 %) und Fashion (16 %). Und: Mit einem Wachstum von +8 Prozent hat Home & Living das Gesamtmarktwachstum von +6 Prozent übertroffen.

Ernüchternder Vergleich: Im Carpathia-Ranking der Top-50-B2C-Onlineshops tauchen aus dem Home-&-Living-Bereich lediglich IKEA (Rang 12, 340 Mio. CHF), Conforama (Rang 44, 58 Mio. CHF) und Pfister (Rang 49, 54 Mio. CHF) auf. Der klassische Schweizer Möbelfachhandel fehlt im Ranking weitgehend – ein klares Indiz dafür, dass hier Potenzial brach liegt.

3. Die Marktplatz-Dominanz: Freund oder Feind?

Unter den Top 30 der umsatzstärksten Onlineshops sind bereits 13 Marktplätze vertreten. Digitec Galaxus (1,65 Mrd. CHF), Zalando (1,7 Mrd. CHF) und Ricardo (800 Mio. CHF) dominieren das Schweizer Online-Geschäft. Die Studienautoren betonen ausdrücklich: Die Vormachtstellung der Marktplätze wird weiter zunehmen.

Für den Möbelfachhandel ist das eine doppelte Botschaft: Einerseits bieten Plattformen wie Galaxus oder Ricardo Listungsmöglichkeiten für sortimentsstarke Händler. Andererseits erhöhen sie den Preisdruck und verkürzen die Kundenbindung. Wer keinen eigenen digitalen Kanal aufbaut, wird mittelfristig zum Zulieferer von Marktplätzen – und verliert die direkte Kundenbeziehung.

4. Auslandskonkurrenz: Abflachung ist kein Entwarnung

Temu (700 Mio. CHF, Rang 6) und Aliexpress (390 Mio. CHF, Rang 8) sind im Top-10 der meistgenutzten Onlineshops der Schweiz. Rund 20 Millionen Kleinpakete aus Asien pro Jahr zeigen: Der Preisdruck von aussereuropäischen Plattformen bleibt real. Der HANDELSVERBAND.swiss kritisiert zu Recht die Ungleichbehandlung inländischer Händler, da ausländische Plattformen weder Produktsicherheits- noch Recyclingvorschriften konsequent einhalten.

Für Möbelhändler ist der Direktimport aus Fernost im Volumengeschäft (günstige Regale, Grundmöbel) eine echte Konkurrenz. Im Beratungsintensiven Segment – massgeschneiderte Küchen, hochwertige Polstermöbel, Schweizer Designstücke – liegt der stationäre Fachhandel nach wie vor klar vorn. Stärken ausspielen statt auf Kosten zu konkurrieren lautet die Devise.

5. Ausblick 2026: AI-driven Commerce und Multikanal als neue Normalität

Die Studienautoren prognostizieren für 2026 ein weiteres Online-Wachstum von rund +5 Prozent. Drei Entwicklungen werden den Handel besonders prägen:

  • AI-driven Commerce: KI-Agenten übernehmen zunehmend die Produktsuche und werden die Art, wie Konsumentinnen und Konsumenten Möbel recherchieren und kaufen, grundlegend verändern.
  • Multikanal als Standard: «Hier und jetzt – egal ob stationär oder online» wird zum dominanten Konsummuster. Händler, die beide Kanäle nahtlos verbinden, gewinnen.
  • Social Commerce: Besonders für die Generation Z werden soziale Plattformen als Einkaufskanal relevanter – auch im Einrichtungsbereich (Stichwort: Pinterest, Instagram, TikTok).

Was sollten Möbelfachhändler jetzt konkret tun?

  • Online-Präsenz professionalisieren: Ein zeitgemässer Webauftritt mit Produktdaten, Konfiguratoren und einfachem Checkout ist keine Kür mehr, sondern Pflicht.
  • Marktplätze strategisch nutzen: Als Reichweitenverstärker – nicht als alleinigen Absatzkanal. Immer die eigene Kundenbeziehung und Marge im Blick behalten.
  • Beratungsqualität als USP: Was kein Algorithmus bieten kann – echte Beratung, Raumplanung, haptisches Erleben – ist der stärkste Schutz gegen Online-only-Konkurrenz.
  • Lokalen Vorteil ausspielen: Lieferung, Montage, Reklamationsabwicklung und persönlicher Kontakt sind Qualitätsmerkmale, die ausländische Plattformen strukturell nicht liefern können.
  • AI-Entwicklungen beobachten: Wer die eigenen Produktdaten strukturiert pflegt, wird von KI-Agenten leichter gefunden. Suchmaschinenoptimierung und Datenqualität werden noch wichtiger.

 

Fazit

Der Onlinehandel in der Schweiz wächst strukturell – und Home & Living gehört zu den überdurchschnittlich wachsenden Kategorien. Das ist eine gute Nachricht für alle, die bereit sind, dieses Wachstum aktiv mitzugestalten. Die Zahlen zeigen aber auch: Wer auf eine digitale Strategie verzichtet, wird nicht nur vom Markt, sondern auch von der eigenen Kundschaft überholt. Die sokratische Frage, die sich jeder Möbelfachhändler stellen sollte, lautet: Wenn meine Kunden schon wissen, was sie wollen – sind sie dann noch auf mich angewiesen? Und wenn ja: warum?

 

Quellen

HANDELSVERBAND.swiss / NIQ/GfK / Schweizerische Post (2026): Schweizer Online-Konsum wächst im Jahr 2025 erneut um 6% – das Wachstum der Einkäufe im Ausland flacht ab. Abgerufen am 12. März 2026.

Carpathia AG (2025): Top 50 B2C-Onlineshops 2025 – Die umsatzstärksten Onlineshops der Schweiz. Abgerufen am 12. März 2026.

 

Dieser Blogbeitrag dient ausschliesslich der Information unserer Mitglieder und gibt die Einschätzung der Verbandsgeschäftsstelle wieder.